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Wer ist der Bitcoin Erfinder Satoshi Nakamoto ?

Wer ist Satoshi Nakamoto ?

Die Frage „Wer ist Satoshi Nakamoto ?“ treibt Medien und Privatpersonen im Netz seit Jahren um. Nicht nur die CIA sondern auch Newsweek, die New York Times und der New Yorker haben erfolglos versucht, die Person hinter dem Pseudonym zu finden. Nakamoto ist derjenige, der die originalen Satoshi Coins erfunden hat. Eine Million Bitcoin gehören dem mysteriöse Erfinder der Kryptowährung selbst. Seit dem Jahr 2011 hat er sich nicht mehr öffentlich gemeldet. Eine der Wallet Adressen, die man Nakamoto einwandfrei zuordnen kann, lautet: 1A1zP1eP5QGefi2DMPTfTL5SLmv7DivfNa die allererste jemals erzeugte Bitcoin-Adresse. Immer wieder kommt es vor, dass Personen an diese Adresse kleinere oder auch größere Beträge überweisen, um ihre Dankbarkeit für dessen Erfindung zu honorieren. Abgänge sind von dieser Wallet Adresse allerdings nicht zu verzeichnen.

Satoshi Nakamoto Bitcoin Adresse
Satoshi Nakamoto´s erste erzeugte Bitcoin Adresse

Aber wer ist die Person oder Gruppe von Programmierern hinter dem bekannten Pseudonym ? Bisher gibt es darauf keine eindeutige Antwort.

Unter den Verdächtigen sind der australische Unternehmer Craig Steven Wright, der Softwareentwickler Hal Finney, der Physiker Dorian Nakamoto, der versorbene IT-Forensiker Dave Kleiman, der Computerwissenschaftler Nick Szabo und zuletzt wurde sogar Elon Musk benannt. Seit einiger Zeit weisen jedoch stetig immer mehr Indizien in die Richtung eines Computerwissenschaftlers, der bereits lange vor der Entstehung des berühmten Bitcoin-Whitepapers an einer digitalen Währung mit dem Namen Bit Gold forschte.

Ist Nick Szabo – Satoshi Nakamoto ?

Der in der Kryptoszene gefeierte Computerwissenschaftler Nick Szabo führte bereits im Jahr 2005 einen Blog, in welchem er sich in unregelmäßigen Abständen mit dem Ursprung von Geld, nationaler und internationaler Ökonomie und auch Kryptographie befasste. Szabo ist Informatiker, Rechtsgelehrter und Kryptograph, der für seine Forschung in digitalen Verträgen und in digitaler Währung bekannt ist. 1989 schloss er sein Studium der Informatik an der University of Washington ab und hat eine Honorarprofessur an der Universidad Francisco Marroquín. Auf Twitter teilt und kommentiert er Artikel über den Kurs von Gold, Inflation und die allgemeine politische Ansichten. Über sich und private Angelegenheiten schreibt er hingegen nie. Tatsächlich ist kaum etwas über Nick Szabo als Mensch bekannt. Wie er aussieht, ist aus einem Video des Versicherungskonzerns Swiss Re bekannt sowie aus weiteren Vortrags- & Interviewaufzeichnungen auf YouTube.

Mehr jedoch ist über Nick Szabo´s Arbeit bekannt. Schon im Jahr 1998 hatte er ein Modell für eine Digitalwährung mit dem Namen Bit Gold erdacht. Dabei beschrieb er ausführlich, wie eine dezentrale und auf Kryptographie basierende Währung aufgebaut sein sollte bereits zehn Jahre vor der Bitcoin Erfindung und dem Whitepaper welches am 31.10.2008 veröffentlicht wurde. Beide Währungen Bit Gold und Bitcoin basieren auf den gleichen Ansätzen, Erkenntnissen, Überlegungen und Methoden. Bit Gold wurde jedoch im Gegensatz zum Bitcoin nie umgesetzt.

Die Motivation von Nick Szabos Bit Gold als Währung zu konzipieren lauetete:

Er wollte verhindern, dass Gelder veruntreut werden könnten. Und das sei nur dann möglich, wenn die Öffentlichkeit die Kontrolle über die Währung und jede Transaktion hat – nicht eine Bank oder Nation.

Quelle: https://nakamotoinstitute.org/secure-property-titles/

Szabo wollte mit Bit Gold also eine Möglichkeit schaffen, Überweisungen ohne einen Mittelsmann abzuwickeln. Geldbewegungen sollten ohne Bank und nur noch von Person zu Person stattfinden. Was Szabo mit Bit Gold zu dieser Zeit jedoch noch nicht gelang, war das Double-Spending-Problem zu lösen. Hierbei handelt es sich um die Frage, wie kann verhindert werden, dass eine Digitalmünze mehr als einmal ausgegeben wird ? Ohne diese Problemlösung würde die Digitalwährung nicht als Wertspeicher taugen. Erst mit dem Bitcoin konnte dieses Problem endgültig gelöst werden.

Gleichzeitig schrieb Szabo bereits im Jahr 1996 über die Idee der Ethereum Smart Contracts. Also automatisierte Verträgen, die auf der Blockchain laufen und vor allem heute durch Ethereum und IOTA bekannt sind.

Nick Szabo arbeitete 2005 als Berater bei eCash Technologies später DigiCash, ein Unternehmen, das bargeldlose und vor allem anonyme Finanztransaktionen ermöglichen wollte. Nachdem Bitcoin zum Erfolg wurde, arbeitete er für das Start-up Vaurum bzw. Mirror.co in Palo Alto, Kalifornien, das ein besseres Mt.Gox werden sollte. Heute ist Szabo Mitgründer und CEO des Unternehmens Global Financial Access, dessen Ziel es nach eigenen Aussagen sei, „Menschen zu helfen, überall auf der Welt auf ihre Anlagen zuzugreifen“. Seit 2016 sollen Investoren aus aller Welt mehrere Millionen in das Unternehmen investiert haben. Ansonsten ist ähnlich wie bei seinem Gründer nur wenig über die Firma bekannt.

Weshalb Nick Szabo in Wahrheit Satoshi Nakamoto sein kann ?

Auch wenn die wahre Identität des Bitcoin-Erfinders bis heute unbekannt ist, gibt es eine Reihe von Indizien, die darauf hindeuten, dass Bitcoin und Bit Gold von derselben Person erdacht wurden. Und selbst wenn Szabo vehement bestreitet, Satoshi Nakamoto zu sein, lassen sich doch einige Fakten und Überschneidungen nicht bestreiten. Sechs Argumente sprechen dafür, dass Nick Szabo vermutlich den Bitcoin erfunden hat.

1. Nick Szabo hat genügend Erfahrungen

Es scheint so, als sei der Bitcoin von einem Tag auf den anderen entstanden. Irgendjemand hatte ein Meisterwerk der Computerwissenschaft einfach so am 31.10.2008 in das Netz gestellt. Aber das kann nicht sein ! Vielmehr scheint Bitcoin das Ergebnis eines langen Prozesses gewesen zu sein. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Satoshi Nakamoto jemand ist, der sich über lange Zeit eingehend mit elektronischem Geld befasst hat. Nick Szabo hat dies definitiv mit Bit Gold getan.

2. Nick Szabo und Satoshi Nakamoto schrieben sich keine Emails

Zahlreiche Konzepte, die später in Bitcoin ihren Ausdruck fanden, wurden in der Gemeinschaft der Cypherpunk debattiert und ausgearbeitet. Sie bestand aus einer losen und über Kanäle wie Usenet, Mailinglisten und Foren vernetzten Gruppe von Entwicklern, Wissenschaftlern und Aktivisten. Unter ihnen waren Wei Dai, der mit b-money eine hypothetische Kryptowährung erdachte, die viele Prinzipien aufweist, die heute Bitcoin definieren. Weiter Adam Beck, dessen Anti-Spam-Mechanismus Hashcash die Basis für das Mining darstellt. Mit Hashcash schlug Beck ein Proof-of-Work Prinzip für den digitalen Raum vor, also dass das Versenden einer Mail, das Schürfen eines Coins oder das Bestätigen einer Transaktion mit einer entsprechenden Rechenleistung bezahlt wird. Ebenso dabei war Hal Finney, ein weiterer selbsternannter Cypherpunk und ehemaliger PGP-Entwickler, welcher das Token System RPOW erdacht hatte und Gefallen an Szabos Bit Gold fand. Finney schlug vor, ihn bei der Implementierung zu unterstützen.

Satoshi Nakamoto schrieb später in seinem Forum bitcointalk.org, dass er seine Ideen unter anderem aus jener Cypherpunk Gemeinschaft gezogen hätte. Bitcoin sei eine Implementierung von Wei Dais b-money und Nick Szabos Bit Gold – letzteres wird im Whitepaper jedoch mit keinem Wort gewürdigt. Sowohl Wei Dai, Adam Back als auch Hal Finney hatten während der Entwicklung und auch nach der Veröffentlichung von Bitcoin regelmäßig Kontakt zu Nakamoto. Nur Nick Szabo nicht und dies obwohl doch viele seiner Ideen in diesem Projekt Wirklichkeit wurden. Szabo räumt deshalb auch ein, trotz seines Dementi zu den Nakamoto-Spekulationen , dass es „einen Haufen Parallelen“ zwischen Bit Gold und Bitcoin gäbe und er verstehe, dass das „für eine Menge Leute merkwürdig aussieht.“

3. Satoshi Nakamotos Initialien

Hal Finney hat einige seiner privaten Emails mit Satoshi Nakamoto öffentlich gemacht. Interessant ist, dass Nakamoto erwähnt, er habe in seinem Bitcoin Zugangsschlüssel seine Initialen verarbeitet: NS. Doch eigentlich sind die Initialen von Satoshi Nakamoto: SN. Ein mögliches Gegenargument, welches im Raum steht: Bei Nakamoto handelt es sich um einen Japaner und im asiatischen Raum ist es üblich, den Nachnamen zuerst zu nennen. Beim Blick auf Nakamoto´s Forenbeiträge und Mails fallen jedoch dessen Sprachduktus und Wortschatz auf. Er schreibt nahezu fehlerlos, mit einer korrekten Interpunktion und bedient sich Redewendungen und Floskeln, die vor allem gebürtige US Amerikaner nutzen. Es ist also unwahrscheinlich, dass Nakamoto Englisch als Fremdsprache gelernt hat. Zwar hat Nick Szabo ungarische Wurzeln, er ist jedoch in den USA geboren, aufgewachsen und hat an der University of Washington promoviert. Der Buchstabendreher in den Initialen ist sicherlich ein mageres Indiz – aber es ist ein Indiz von vielen.

4. Bekam Nick Szabo Unterstützung von Hal Finney?

Womöglich ist es auch einfach wahr, was Nick Szabo immer wieder beteuert: Er ist gar nicht Satoshi Nakamoto und er bedient sich dabei einer Spitzfindigkeit bei seinem Dementi. Nicht er alleine, sondern er und eine zweite Person – womöglich Hal Finney – haben zusammen den Namen als Pseudonym verwendet, dies lassen einige Indizien vermuten: Szabo wollte seine Idee für Bit Gold 2008 überarbeiten und wiederbeleben. Im April desselben Jahres schrieb er darüber auf seinem Blog und fragte: „Mag mir jemand helfen, das zu coden?“

Nur 4 Monate später – im Oktober 2008 – stellte Satoshi Nakamoto das Bitcoin Whitepaper ins Netz. Zwei Monate danach wurde die erste Implementierung der Kryptowährung veröffentlicht. Zu diesen Zeitpunkt veränderte Szabo rückwirkend das Veröffentlichungsdatum seines Blog-Eintrags zu Bit Gold auf Dezember 2008. Es sollte offenbar so erscheinen, als habe er seine Idee im Fahrwasser von Bitcoin reanimiert und vergeblich nach Hilfe von fähigen Entwicklern gesucht.

Szabo und Finney kannten sich bereits seit 1993 und hier stellt sich eine entscheidende Frage: Warum sollte Finney einer völlig unbekannten Figur wie Satoshi Nakamoto helfen, ein Projekt umzusetzen, welches von Bit Gold inspiriert ist, und nicht seinem seit 15 Jahren guten Bekannten, der das Original erdacht hat ?

Weiter hat Satoshi Nakamoto sein Whitepaper nicht in der ersten Person geschrieben. Er schreibt nicht aus der Sicht eines einzelnen Entwicklers, sondern immer aus der Perspektive eines Teams: „Wir schlagen eine Lösung vor…“, „Wir definieren eine elektronische Münze…“, „Wir werden später zeigen, dass…“ So oder ähnlich beginnen viele Sätze des Dokuments.

Hal Finney war außerdem der erste, der auf Satoshis Veröffentlichung des Bitcoin-Codes antwortet. Das verlieh dem zuvor unbekannten und ominösen Genie eine gewisse Souveränität und Glaubhaftigkeit. Finney wurde die erste Person, die eine Überweisung via Bitcoin erhielt. Satoshi sendete 10 der digitalen Bitcoin Münzen an den Entwickler. Und dann ist da noch etwas, vielleicht auch nur ein blöder Zufall, aber Hal Finney lebte zu diesem Zeitpunkt in Arcadia, nur wenige Straßen von einem Mann mit dem Namen Dorian Prentice Satoshi Nakamoto entfernt. Ausgerechnet jenem Mann, dem Newsweek 2014 unterstellte, das unbekannt Genie hinter Bitcoin zu sein.

5. Szabos Schweigen zu Bitcoin

Genauso interessant wie das, was Szabo schrieb, ist worüber er sich nicht äußerste. Er schwieg sich fast zwei Jahre lang zu Bitcoin aus. Er würdigte das Bitcoin Whitepaper zunächst keines Wortes und schien nicht zur Kenntnis zu nehmen, dass da ein vollkommen Unbekannter sich seiner Bit Gold Ideen bediente. Vor allem angesichts der Tatsache, dass sich Szabo fast zehn Jahre mit dem Thema befasst hatte, ist das schon sehr verdächtig. Auch als Bitcoin allmählich ein Publikum fand, war ihm dies kaum eine Silbe wert.

Erst 2009 erwähnt der Computerwissenschaftler die Kryptowährung als Randnotiz in seinem Blog. Als Bitcoin 2010 erfolgreicher wird und erstmals die Ein-Dollar-Schwelle durchbricht, bleibt Szabo ruhig. Ein Jahr darauf schreibt er anerkennend und offenbar zufrieden, dass einst nur er, Wei Dai und Hal Finney an ein Konzept wie Bitcoin geglaubt und es ausdauernd verfolgt hätten – jedenfalls solange bis Nakamoto kam. Wobei er anführt, dass Nakamoto durchaus einer aus eben dieser Gruppe sein könnte – nämlich Hal Finney oder Wei Dai. Als Satoshi 2011 untertaucht, fängt Szabo an, ausführlicher über Bitcoin und dessen Möglichkeiten zu schreiben.

Genau diese Texte bieten weitere Anhaltspunkte, die eine Verwandtschaft von Szabo und Nakamoto stützen. Denn 2014 verglichen 40 angehende Linguisten der Aston University das Bitcoin-Whitepaper mit Texten von 11 Personen, denen nachgesagt wird, Satoshi Nakamoto zu sein. Das Resultat ?

„Die Anzahl an linguistischen Ähnlichkeiten zwischen Nick Szabos Schriften und dem Bitcoin Whitepaper sind irritierend. Kein anderer der möglichen Kandidaten bietet auch nur ein annähernd so gute Treffer. Selbst wenn Szabo nur einer von mehreren Menschen war, die unter dem Namen Satoshi Nakamoto unterwegs gewesen sind, so hat er vermutlich große Teile des Whitepapers geschrieben.“

6. Warum wehrt er sich gegen die Gerüchte?

Es deuten also mehr Indizien auf Nick Szabo als auf jeden anderen. Aber wenn er Satoshi Nakamoto ist, warum wehrt er sich dann so gegen den Ruhm? Die Gründe dürften vielfältig sein: Alleine schon sein Bitcoin-Schatz würde ihn zur Zielscheibe machen – nicht nur von Kriminellen, sondern auch Regierungsbehörden. Ebenso würde der Erfinder des Bitcoin unter ähnlicher Beobachtung stehen wie Elon Musk, Mark Zuckerberg und andere Tech-Promis – wenn nicht sogar noch mehr. Wäre der Beweis erbracht, dass Nick Szabo der mysteriöse Satoshi Nakamoto ist, würden ihn nicht nur Ruhm und Ehre, sondern auch Missgunst und Hass erwarten. Andreas Antonopoulos, der Autor des Buchs Mastering Bitcoin zog hier einen passenden Vergleich: Würde Satoshi Nakamoto enttarnt werden, erginge es ihm ähnlich wie dem Titan Prometheus aus der griechischen Mythologie. Er hatte sich erdreistete, das Feuer aus dem Olymp zu stehlen und es den Menschen zu geben. Ein Akt, für den ihn Zeus mit ewigen Qualen bestrafte.